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Medienkonvergenz

(Das radikale Phänomen der 90er)
[47/99]


Martin Krusche
de nada


Die 90er-Jahre sind die Dekade der Medienkonvergenz. Das Konvergieren der modernen Medien, ihre Annäherung aneinander, ihr zunehmendes Verschmelzen, all das ergibt sich, da die Daten, die Speicher und die Übertragungsmedien der verschiedenen, computergestützten Medienarten eine gemeinsame Plattform, einen neuartigen Kommunikationsraum ermöglichen. Ein Hypermedium, in dem Text, Bild und Ton auf der Ebene des Maschinencodes ein und dieselbe Schrift haben, in der sie dargestellt, gespeichert und vermittelt, werden können.
Zu Texten, Bildern und Tönen werden sie erst an jenen Schnittstellen, wo Menschen auf die Maschinen zugreifen. Also auf einer "höheren Ebene" gegenüber jenem Code, mit dem die Maschinen zurechtkommen. Einem Binärcode, einem Zeichensystem, das nur zwei verschiedene Zeichen kennt: 1 und 0. Die Äquivalente zu "Spannung ist da" und "Spannung ist nicht da".
Diese einzigen zwei Zeichen des Binärcodes der EDV nennt man Bits. "Binary Digits". Texte, Bilder und Töne zu "digitalisieren" bedeutet demnach, sie in diesen Binärcode zu übersetzen, also in Ensembles von Einsen und Nullen zu wandeln, wie sie von Computern verarbeitet und über Datennetze verbreitet werden können. Als "Hypertext". Eine Art der Dokumente, in denen einzelne Passagen oder Stellen über sogenannte "Links" mit beliebigen anderen Hypertextdokumenten verbunden werden können.
Printmedien, Tonträger, Radio, Video und Bilderwelten, das Internet, verschmelzen dadurch. Telekommunikation und Informatik ebenso. Woraus sich der Begriff "Telematik" ableitet. Was landläufig schlicht die Koppelung von Telekommunikationstechnik, Computersystemen und TV-Welten meinte. Doch mit Ende des Jahrzehnts ist all das komplexer geworden, hat sich unaufhaltsam verbreitet, unseren Alltag durchdrungen. Es muß also längst differenzierter betrachtet werden, da nicht nur die wirtschaftlichen, sondern auch die kulturellen Konsequenzen radikal sind. Radikal im ursprünglichen Sinn: An unsere Wurzeln gehend.
Deshalb verstehe ich den Begriff Medienkonvergenz als jenen, der das gesamte Phänomen meint. Die technologische Innovation und ihre kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Implikationen wie Folgen. Darin sehe ich eine Medienkohärenz, ein Einswerden von Printmedien, Tonträgern, Radio, Video und Bilderwelten mit dem Internet und – das scheint mir neuerdings entscheidend –, dessen Verfügbarkeit auf PC-Basis. Also auf allgemein erhältlichen, leicht erschwinglichen Systemen, deren Benutzung immer weniger abgehobenes Expertenwissen verlangt.
Diese Situation fordert neue Kompetenzen sowohl darin, wie man Informationen anbietet, als auch darin, wie man aus ihrer unüberschaubaren Fülle das herausfiltert, was einem nützt, was einen interessiert. Medienkompetenzen. Kulturelle Kompetenzen.
Zwischen die vertrauten Alltagsrealitäten und die Menschen sind zunehmend Maschinen gestellt, informationsverarbeitende Maschinen, die längst nicht mehr simpel als Rechner verstanden werden. Maschinen, die in unsere bisherigen Erfahrungswelten durch ihre Simulationen virtuelle Realitäten einbringen; allgemein als "Virtual Reality" bezeichnet. Der Ort dieser Realitäten ist der sogenannte "Cyberspace", ein virtueller Raum "hinter den Bildschirmen", jenseits der Interfaces, der Mensch-Maschinen-Schnittstellen. In der aktuellen Sprachregelung und im Jargon der "Netizens", der Leute in den Datennetzen, zwar noch geschieden von "In real Life" – "Im richtigen Leben" -, de facto aber längst mit höchst durchlässigen Grenzen und Überlappungen.
Übrigens: Das Internet in seiner heutigen Form entstand erst 1993; hervorgegangen aus dem militärischen ARPA-Net (Advanced Research Program Agency). Die PC-Welt ist kaum wesentlich älter. Gegenüber den horrend teuren Mainframes, die nur von großen Firmen und öffentlichen Einrichtungen angeschafft werden konnten, begann die Zeit der für Einzelpersonen erschwinglichen "Mikrocomputer", als welche PCs galten, erst Ende der 70er-, Anfang der 80er-Jahre. Seither gibt es laufend atemberaubende Performanceschübe, was bedeutet, daß die Geräte immer billiger, kleiner und leistungsfähiger werden. Auf eine Art, die in der Menschheitsgeschichte völlig neu ist.
Daraus mag man einen Eindruck gewinnen, wie jung und wie schnell diese Medienkonvergenz ist, die unser aller Lebensalltag so radikal infiltriert.

updated: 23.11.1999 by martin krusche
 
 
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